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Mehr als Hausaufgaben und Betreuung
Die Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen (StEG) belegt: Ganztagsschulen sind mit ihrem Angebot breiter und fachbezogener geworden
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Bild PD Dr. Hans Peter Kuhn
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Wenn der Unterricht zu Ende ist, bekommt das Schulkind von der 1. bis zur 6. Klasse eine verlässliche Aufsicht und Betreuung. Die Kinder können dort toben, sich ausruhen, eine Arbeitsgemeinschaft besuchen oder einfach warten, bis sie nach Hause können oder ihre Eltern sie nach der Arbeit abholen. So zeichnen noch viele ihr Bild von einer Ganztagsschule. Der Vortrag von PD Dr. Hans Peter Kuhn am 12. Januar 2010 im Rahmen der Ringvorlesung „Ganztagsschule und Demokratiepädagogik“ an der Friedrich-Schiller-Universität Jena offenbarte mit Ergebnissen aus der Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen (StEG) anderes.
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Ganztagsschulen bieten Kindern- und Jugendlichen zusätzlich zum Unterricht immer mehr Förderung. Das belegen Erhebungswerte bezogen auf die Situation vor Einführung des Ganztagsschulbetriebes, Werte des Jahres 2005 und Werte von 2007. So gibt es neben der Hausaufgabenbetreuung, die immer mehr zur individuelleren Lernzeit wird, auch naturwissenschaftliche, technische, mathematische und sprachliche Angebote sowie individuelle Förderung. Schülerinnen und Schüler der Sekundarschulen schätzen laut der Befragung 2007 zu 66,8 % ein, dass Sie die Angebote wahrnehmen, um zusätzlich etwas zu lernen. Von den Schülerinnen und Schülern aus der Sekundarstufe I, welche an 4 Tagen ein Ganztagsangebot nutzen, gaben 58,6 % an, dass sie etwas lernen, was Ihnen beim Lernen im Unterricht hilft. Bei 3 Tagen im Ganztag gaben dies 49,7 % und bei 5 Tagen 55,1 % der Schüler und Schülerinnen an.
Wichtig ist ihnen auch die Möglichkeit, Freunde kennen zu lernen. Berufstätige Eltern bieten Ganztagsschulen nach Angabe von 31% der Mütter die Möglichkeit der (Wieder-) Aufnahme der Berufstätigkeit. Die nachgewiesenen positiven Effekte von Ganztagsschulen lassen sich aus Sicht der befragten Lehrkräfte durch weitere Veränderungen und Entwicklungen fördern. Bessere finanzielle Ausstattung für den Ganztagsbetrieb wünschen sich 89,9 %, bessere Arbeitsbedingungen fordern 73,2 %, Eine längere Anwesenheit der Lehrkräfte (entsprechend den Öffnungszeiten) erachten 26,7 % der befragten Lehrkräfte als notwendig. Kooperation zwischen allen am Ganztag beteiligten Lehrkräften und weiteren pädagogischen Personal ist 60,8 % der befragten Lehrerinnen und Lehrer wichtig. Eine weitere Qualitätssteigerung der Ganztagsschulen, welche unter anderem durch professionelle Verzahnung der Ganztagsangebote mit dem Unterricht zu erreichen ist, bedarf künftig sicher noch mehr Kooperation der verschiedenen Professionen unter den Zuhörern sowie deren eigene aktive Beteiligung.
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Reisefreiheit für alle
Ralph Leipold stellt Werte- und konzeptgeleitete Schulentwicklung vor
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Traditionell übernehmen Lehrerinnen und Lehrer sehr viel Verantwortung für das Lernen ihrer Schüler. Das scheint allen wünschenswert, ist aber nicht immer gut. Dies war eine Botschaft des Schulleiters Ralph Leipold an die Lehramtsstudentinnen und –studenten im Rahmen der Ringvorlesung „Ganztagsschule und Demokratiepädagogik“.
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Jeder denkt gern an Lehrer, die uns viel beigebracht oder uns super zu unserer Prüfung hingeführt haben. So mancher Zuhörer im Hörsaal war überrascht, dass er sich in seinem eigenen Interesse von diesem „Lehrerbild“ verabschieden sollte, so wie alle Kolleginnen und Kollegen dies im Neuhäuser Gymnasium getan haben. Denn nach bekannten wissenschaftlichen Studien fördern althergebrachtes Berufsethos und diese Schulkultur stärker Burn-out-Syndrome und weniger erfolgreiches Lehren und Lernen. Im Gegenteil, denn „Kinder lernen selbständig oder gar nicht(s)!“, ist Ralph Leipolds Überzeugung. Selbständigkeit und Selbststeuerung gehören nach dem Daltonplan zu den Werten der Lernkultur. Die Lernenden sollen für ihre eigenen Lernprozesse selbst mehr Verantwortung übernehmen. Das können sie am besten in Freiheit und durch Zusammenarbeit. Damit das Lernen und Leben in Freiheit mit diesen anspruchsvollen Werten funktioniert, ist eine demokratische Schulkultur zwingend. Diese wird in Neuhaus im Schülerparlament, in Klassenräten und bei der Schulmediation gelebt. Statt einer Hausordnung, gibt es eine Schulverfassung, die mit Schülerbeteiligung erarbeitet wurde. Dass die werte- und konzeptgeleitete Schulentwicklung auch unter Leistungsaspekten erfolgreich ist, lieferte Ralph Leipold auch: „Im Gymnasium Neuhaus ist Selektion nicht nötig, denn in den letzten Jahren erreichten nahezu alle Schülerinnen und Schüler das Abitur.“ Studien belegen eine höhere Zufriedenheit der Lehrerinnen und Lehrer an Schulen mit demokratischer Schulkultur. Unterricht der immer weniger lehrerzentriert ist und in dem stattdessen kooperatives Lernen mit Methodenwechsel organisiert wird, gehören zum Handwerkszeug bei den Lehrerinnen und Lehrern. Damit sie ihren Beruf darüber hinaus nach einer anderen „Philosophie“ leben, dürfen sie alle reisen und dabei andere Schulen kennen lernen und Erkenntnisse aus der Wissenschaft aufnehmen. Viele Zuhörer werden ihre Reisefreiheit schon während ihrer pädagogischen Ausbildung nutzen.
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Demokratie muss gelernt werden
In Schulprojekten demokratisch handeln und Demokratieerfahrungen sammeln |
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24. November 2009
Wie das gehen kann, das legte Dr. Wolfgang Beutel, Geschäftsführer des Förderwettbewerbs „Demokratisch Handeln“, in Zusammenarbeit mit Hans-Wolfram Stein, Lehrer in der Gesamtschule Bremen-Ost, in seiner Vorlesung am 24. November 2009 an der Friedrich-Schiller-Universität Jena dar. Für die ehemalige Schülerin Alina Keller und den ehemaligen Schüler Martin Bogus war es eine besondere Herausforderung vor 800 Zuhörern ihr Schulprojekt „Spaltung der Stadt“ vorzustellen.
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v.l.n.r.: Martin Bogus, Hans-Wolfram Stein,
Dr. Wolfgang Beutel, Alina Keller
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Sie wiesen gemeinsam mit ihrem Wirtschaftsgrundkurs unter anderem nach, dass die Teilhabe der Bürger/Innen an gesellschaftlichen Prozessen und an der Mitbestimmung in Bremen in einzelnen Stadtteilen nahezu beängstigend niedrig ist. „Die Menschen dort müssen begreifen, dass auch sie etwas bewegen können“, sagte Hans-Wolfram Stein. Einen Beitrag Jugendlichen dies bewusst zu machen, hat dieses Schulprojekt selbst geleistet, denn die Schülerinnen haben gemeinsam ihren Wissenserwerb organisiert, dabei Experten einbezogen und ihre Arbeit in der schulischen Öffentlichkeit präsentiert.
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Indem die Schülerinnen und Schüler ihre Ergebnisse im Rathaus vorstellten und in einer Broschüre veröffentlicht haben, gaben sie zumindest den Anstoß zum Nachdenken über Veränderungen, nicht nur in der Politik. Aus diesem Grund wurde dieses Projekt beim Bundeswettbewerb „Demokratisch Handeln“ im Frühjahr 2008 als Preisträger ausgezeichnet. Die Jury attestierte den Schülerinnen und Schülern eine Aktivität“ und stellte heraus, dass diese sich „in die Politik einmischen“.
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Dr. Wolfgang Beutel legte dar, dass durch Demokratiepädagogik Kinder und Jugendliche unter anderem selbst entscheiden, gestalten und sich im öffentlichen Raum beteiligen und bewähren. Hierdurch stärken sie ihr Selbstkonzept und fördern ihre Selbstwirksamkeit. Demokratielernen ist nicht nur Sache eines Fachbereiches oder eines Faches, sondern Demokratie betrifft als Querschnittsaufgabe eine ganze Schule „als Unterrichtsanstalt, als Lebensraum, als öffentlicher Ort, der sich öffentlichen Themen stellen muss“, betonte Dr. Wolfgang Beutel. Seit 1990 haben sich am Förderwettbewerb „Demokratisch Handeln“ 3.731 Projekte beteiligt. Die Vorlesung vor über 800 angehenden Lehrerinnen und Lehrern war auch ein Appell, dass in Schulen in Zukunft noch mehr Demokratie erfahren und damit gelernt wird, denn Schule kann und muss der richtige Ort dafür sein.
Ray Wille
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In Zukunft kaum noch Halbtagsschulen Studenten erhielten in Jena Einblicke in die Gestaltung von Ganztagsschulen
Jena, 10. November 2009
Wenn auf Schulen „Ganztag“ drauf stehen darf, dann ist nicht immer Ganztag drin. Was zur Organisation und Entwicklung einer Ganztagsschule, welche diesen Namen wirklich verdient, gehört, das legte Thomas Schnetzer vom Institut für Schulentwicklungsforschung der Technischen Universität Dortmund den ca. 800 anwesenden Studentinnen und Studenten am 10. November 2009 in der Friedrich-Schiller-Universität in seiner Vorlesung dar. Die angehenden LehrerInnen erfuhren, dass es neben der Erfüllung der Kriterien der Kultusministerkonferenz für eine Ganztagsschule wichtige Leitziele und Gestaltungselemente gibt. So sind z.B. erweiterte Lerngelegenheiten am Nachmittag mit Qualität zu organisieren, der Tag zu rhythmisieren und Kolleginnen, Kollegen, Schüler sowie Eltern in die Gestaltung des Ganztages einzubeziehen. Die Studenten wurden angeregt darüber nachzudenken, dass Schule somit nicht nur zur Einrichtung der Wissensvermittlung wird. Vielmehr sollen in Ganztagsschulen durch die professionelle Organisation des „Mehr“ an Zeit bessere Bedingungen zur Förderung von Fach- und Sozialkompetenzen bei den SchülerInnen entstehen als an Halbtagsschulen. Auch vorgestellte Ergebnisse der Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen regten die Zuhörer zu Fragen in der an die Vorlesung anschließenden Gesprächsrunde an. In dieser Vorlesung wurden keine schönen bunten Bilder von einer tollen Schule gezeichnet, sondern anschaulich aufgezeigt, was konkret zu tun ist, damit Ganztagsschulentwicklung und die Arbeit der angehenden Pädagoginnen und Pädagogen zum Wohle der Kinder und Jugendlichen geschieht und wirklich ganztägig gelernt wird.
Ray Wille
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