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Material:
Ringvorlesung "Ganztagsschule und Demokratiepädagogik"

Schule als Kreatives Feld
Prof. Dr. Olaf-Axel Burow Universität Kassel

Obwohl wir durch Schulqualitäts- und Schulentwicklungsforschung viel Wissen darüber haben, was "gute Schulen" charakterisiert und wie man sie entwickeln kann, erweist sich die Umsetzung dieses Wissens im Schulalltag oft als schwierig. Es zeigt sich: Explizites Wissen allein reicht nicht aus - es muss verbunden werden, mit dem Wissen aller Beteiligten. Schule braucht eine neue Perspektive: Sie kann zum kreativen Feld werden, wenn es gelingt, die "Weisheit der Vielen" zu nutzen. Mit dem Jazzbandmodell der Führung, der prozessorientierten Zukunftsmoderation sowie der wertschätzenden Schulentwicklung haben wir Verfahren entwickelt und in vielen Schulen erprobt, die nicht nur zur Arbeitserleichterung durch Kooperation beitragen, sondern auch praktikable Wege zeigen, wie Schule zu einem kreativen Lernort und anziehendem Feld gemeinsamer Weiterentwicklung werden kann. In meinem Vortrag möchte ich einen Einblick in Theorie und Praxis des kreativen Feldes geben.

Berichte über die Vorlesungen

Ganztagsschule in Deutschland – Organisation, Entwicklung und Strukturen
Thomas Schnetzer, Institut für Schulentwicklungsforschung (IFS), Technische Universität Dortmund

Ganztagsschule hat in den letzten Jahren immer mehr an Akzeptanz in Deutschland gewonnen. Nicht zuletzt durch die alarmierenden PISA-Ergebnisse hat das Thema „Ganztagsschule“ im öffentlichen Bewusstsein mehr Aufmerksamkeit bekommen. Doch was ist eigentlich eine Ganztagsschule? In der Ringvorlesung sollen neben den grundsätzlichen Fragen über die Organisation von Ganztagsschulen in Deutschland auch die Aspekte der Entwicklungsmöglichkeiten angesprochen und verdeutlicht werden. Neben Organisationsmodellen fließen auch Erfahrungswerte aus der aktuellen Ganztagsschulforschung sowie der Ganztagsschulentwicklungsberatung aus der Schulpraxis ein.

 

Demokratiepädagogik, Demokratisch Handeln und die Chancen für ganztägiges Lernen
Dr. Wolfgang Beutel, Förderwettbewerb "Demokratisch Handeln"
in Zusammenarbeit mit Hans-Wolfram Stein, Alina Keller und Martin Bogus, 
Gesamtschule Bremen-Ost

Der Begriff Demokratiepädagogik hat sich als Bezeichnung für die Querschnittsaufgabe aller Schulen etabliert, zur Demokratie nicht nur durch Belehrung, sondern durch praktische Erfahrung, Engagement und Konzepte der Gerechtigkeit hinzuführen.  Dabei spielt eine veränderte Lernzeit natürlich eine zentrale Rolle. Demokratisch Handeln arbeitet in diesem Kontext als Schulentwicklungsprogramm und Wettbewerb seit 20 Jahren, die längste Zeit davon in Jena. In dieser Vorlesung wird der Kontext der Schule als demokratiepädagogisch gehaltvoller Gelegenheitsstruktur aufgezeigt. Die Ergebnisse des Förderprogramms werden vorgestellt und ein Beispiel wird aus erster Hand von Schülern und Lehrern präsentiert.

 

 

Werte- und konzeptgeleitete Ganztagsschulentwicklung –
ein Blick in die Praxis
Ralph Leipold, Schulleiter Gymnasium Neuhaus

Damit unser Land ein modernes Bildungsland wird, ist es nötig, sich von manchen Gewohnheiten, deren Vollzug zu unbefriedigenden Ergebnissen führt, zu distanzieren. Dies betrifft auch ein herkömmliches Verständnis von Schulentwicklung, bei dem es in etwa darum geht, das, was vorhanden ist, ein wenig besser zu machen. Sich davon zu distanzieren heißt, sich nicht mit Reparaturarbeiten zufrieden zu geben, sondern ein altes Haus so umzubauen, dass es den Anforderungen und Bedürfnissen seiner Bewohner besser gerecht wird. Es kommt darauf an, die Schulprozesse so zu erneuern, dass Kinder sowohl mehr Freiheit als auch einen Lebensraum genießen können, der besser auf ihre Situation eingerichtet ist. Wenn uns Freiheit, persönliche Verantwortungsübernahme, Selbstverantwortung, Zusammenarbeit sowie Wertschätzung und Partizipation als Wertegrundlage unserer Daltonplanpädagogik in Neuhaus dienen, so müssen wir in der Folge die Alltagsprozesse so gestalten, dass in ihnen diese Werte jederzeit sichtbar werden. Die Formel „Vom Gehorsam zur Verantwortung“ löst ein altes pädagogisches Problem: Nicht aus der Sicht der Lehrenden sondern aus der der Lernenden müssen die Prozesse betrachtet werden.

 

Mehr Chancengleichheit durch Ganztagsschulen? Ergebnisse aus dem StEG-Projekt
PD Dr. Hans Peter Kuhn

Die Chancengleichheit im deutschen Bildungssystem ist eine Illusion. So haben international vergleichende Schulleistungsstudien wie z.B. PISA gezeigt, dass der schulische Erfolg in kaum einem anderen Land so stark von der sozialen Herkunft oder der ethnischen Zugehörigkeit abhängt wie in Deutschland. In diesem Zusammenhang wurde die Ganztagsschule als wichtiges Instrument wieder entdeckt, es wurden zahlreiche Unterstützungsprogramme (z.B. IZBB) ins Leben gerufen mit dem Ziel, die Zahl der Ganztagsschulen substanziell zu erhöhen und die Qualität ihrer Arbeit zu verbessern. Die Erwartungen an die Ganztagsschule sind hoch. Neben der Förderung von schulischer Motivation und kognitivem Kompetenzerwerb sollen vor allem soziale Benachteiligungen kompensiert und damit Bildungsungleichheiten abgebaut werden. Der Vortrag stellt zunächst die Situation der Bildungsungleichheit in Deutschland auf der Grundlage empirischer Studien und amtlicher Statistiken dar. Im Anschluss daran werden Theorien und Konzepte vorgestellt, die diese sozialen Disparitäten beschreiben und erklären. Zuletzt werden aktuelle empirische Befunde aus StEG (Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen) zu den kompensatorischen Wirkungen der Ganztagsschule auf bildungsbenachteiligte Gruppen präsentiert und diskutiert.
amit unser Land ein modernes Bildungsland wird, ist es nötig, sich von manchen Gewohnheiten, deren Vollzug zu unbefriedigenden Ergebnissen führt, zu distanzieren. Dies betrifft auch ein herkömmliches Verständnis von Schulentwicklung, bei dem es in etwa darum geht, das, was vorhanden ist, ein wenig besser zu machen. Sich davon zu distanzieren heißt, sich nicht mit Reparaturarbeiten zufrieden zu geben, sondern ein altes Haus so umzubauen, dass es den Anforderungen und Bedürfnissen seiner Bewohner besser gerecht wird. Es kommt darauf an, die Schulprozesse so zu erneuern, dass Kinder sowohl mehr Freiheit als auch einen Lebensraum genießen können, der besser auf ihre Situation eingerichtet ist. Wenn uns Freiheit, persönliche Verantwortungsübernahme, Selbstverantwortung, Zusammenarbeit sowie Wertschätzung und Partizipation als Wertegrundlage unserer Daltonplanpädagogik in Neuhaus dienen, so müssen wir in der Folge die Alltagsprozesse so gestalten, dass in ihnen diese Werte jederzeit sichtbar werden. Die Formel „Vom Gehorsam zur Verantwortung“ löst ein altes pädagogisches Problem: Nicht aus der Sicht der Lehrenden sondern aus der der Lernenden müssen die Prozesse betrachtet werden.

 

Kinderrechte und Demokratiepädagog
Sonja Student,

Nicht nur die Weiterentwicklung unserer Demokratie, auch ihr Bestand und ihre Sicherung hängen davon ab, dass sie von Bürgerinnen und Bürgern mit demokratischem Bewusstsein getragen werden: Denn Demokratie ist mehr als eine Regierungsform: Sie ist vor allem eine Lebensform. Ihr Kern sind die unveräußerbaren Menschenrechte. Für Kinder wurden diese in der UN-Kinderrechtskonvention von 1989 für alle Menschen von 0 – 18 Jahren festgeschrieben und von der Bundesrepublik Deutschland 1992 ratifiziert. Dort, wo Kinderrechte nicht nur als Unterrichtsthema gelernt, sondern im gemeinsamen Alltag gelebt werden, kann ein „demokratischer Habitus“ entstehen, das innere Fundament eines gerechten und fürsorglichen Zusammenlebens.
In meinem Vortrag werde ich den Zusammenhang von demokratischen Formen des Zusammenlebens und den demokratischen Werten, wie sie in den Menschen- und Kinderrechten grundgelegt sind, aufzeigen und an praktischen Beispielen belegen, wie die Rechte der Kinder im Schulalltag gelernt und gelebt werden können.

Material für Eltern und Lehrer unter: http://www.younicef.de/elternlehrer.html

 

Eindrücke von dieser Ringvorlesung erhalten Sie unter Berichte.

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