Daltonkonferenz Bad Langensalza 2010

Das Fundament ist Respekt
Interesse am Daltonplan bei Lehrerinnen und Lehrern aus ganz Thüringen

Schulen „fair ändern“, dieses Anliegen des Staatlichen Schulamtes Bad Langensalza lockte fast 200 Lehrerinnen und Lehrer am 7. Oktober nach Bad Langensalza zur Daltonkonferenz. Die Arbeit nach dem Daltonplan von Hellen Parkhurst (USA, 1886-1973) und dessen stete Weiterentwicklung in der Schulpraxis verbinden Thüringer Daltonplanschulen sowie Experten in einem Netzwerk, welches sich im Anschluss an die Konferenz traf.

Hans Wenke

Kooperationspartner des Schulamtes Bad Langensalza waren das Thillm und die Serviceagentur „Ganztägig Lernen“ Thüringen. Für den Daltonplan interessieren sich Pädagoginnen und Pädagogen aller Schularten. Hans Wenke, ein international sehr bekannter Niederländischer Daltonplanpädagoge und Buchautor, sagte ihnen im Impulsreferat: „Der Daltonplan ist keine Methode und auch kein System, Dalton ist eine Philosophie, eine Überzeugung. Damit sind für die Schulen individuelle Wege offen.“ Der Hauptaspekt besteht für Hans Wenke im in einer Schule herrschenden Respekt, er meint damit Respekt gegenüber den Lehrern, untereinander und vor allem gegenüber den Schülerinnen und Schülern. Diese sollen mehr Verantwortung tragen und dadurch motivierter sein. Wenn Kinder zu mehr eigener Initiative und Verantwortung für den eigenen Lernprozess fähig sein sollen, dann bedarf dies auch eines anderen Klassenmanagements, meinte Hans Wenke.

 

In Thüringen arbeiten bereits vergleichsweise viele Schulen erfolgreich nach den Prinzipien der Daltonplanbegründerin Helen Parkhurst: Freiheit in Gebundenheit, Kooperation, budgetierte Zeit. Das wurde auch in den vier Workshops, welche durch Thüringer Daltonplanschulen geleitet wurden, deutlich.
Christine Schrön und Daniela Vogt vom Käthe-Kollwitz-Gymnasium in Lengenfeld/Stein zeigten, dass Individualisierung und Differenzierung nach der Philosophie des Daltonplans eng mit dem Gesamtkonzept der Schule verknüpft sein müssen. Im Workshop wurden Aneignungs- und Umsetzungsstrategien des selbstgesteuerten Lernens im fächerübergreifenden und fächerverbindenden Projekt-Unterricht als auch im außerunterrichtlichen Bereich herausgearbeitet.

Die Schulleiterin des Prof.-F.-Hofmann-Gymnasiums Kölleda Herma Placzko sowie ihre Kolleginnen Anne Mohr und Andrea Büchner präsentierten, dass die Arbeit mit Daltonplan Chancen hinsichtlich der Begabungsförderung und der Inklusion eröffnet.
Im Perthes-Gymnasium Friedrichroda können die Schülerinnen und Schüler in den Klassen 5 bis 8 auf dem Daltonplan basierend „frei lernen“.

Workshopphase der Daltonplanschulen

Heike Köllner und Jörg Frankenfeld stellten den Weg zu dieser Arbeit und das Konzept des Perthes-Gymnasiums vor. Das Gymnasium in Neuhaus gestaltet die Alltagsprozesse so, dass in ihnen die Werte Freiheit, Verantwortungsübernahme, Selbstständigkeit, Zusammenarbeit sowie Wertschätzung und Partizipation jederzeit sichtbar werden. Für den Schulleiter Ralph Leipold bedeutet die Formel „Vom Gehorsam zur Verantwortung“ ein altes pädagogisches Problem abzulösen: Nicht aus der Sicht der Lehrenden sondern aus der Sicht der Lernenden müssen die Prozesse betrachtet werden. Im Gymnasium Neuhaus bilden Schülerinnen und Schüler in einem durchgängigen und Fach übergreifenden Projektunterricht sachliche, soziale und personale Kompetenzen bei hoher Lernmotivation. Dass der Daltonplan kein starres System eigene Entwicklungswege auch für Grundschulen ermöglicht, zeigt die Grundschule Unstruttal in Ammern. Die Schulleiterin Claudia Krause und ihr Kollege Beck stellten individualisierendes und differenzierendes Lernen und Lehren auf der Grundlage des reformpädagogischen Konzepts des Daltonplans vor. Weiterhin wurden Möglichkeiten der Daltonplanpädagogik auch für den Vorschulbereich eröffnet und Erfahrungen in den Niederlanden diskutiert.
„Das ist der richtige Weg, den wir auch in den Niederlanden mit der Nederlandse Dalton Vereniging gegangen sind“, appellierte Hans Wenke an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Netzwerktreffens der Thüringer Daltonplanschulen. In den Niederlanden gibt es die weltweit meisten „daltonisierten“ Schulen, …. Dort erfuhr der Daltonplan bereits in den 1920er Jahren große Anerkennung und 1931 gründete sich die Nederlandse Dalton Vereniging (NDV). Seit Mitte der achtziger Jahre ist die Entwicklung und Verbreitung des Daltonplans durch die Arbeit der NDV besonders erfolgreich; 1985 hatte der NDV noch 25 Mitgliedsschulen. Die Daltonvereinigung Deutschland besteht dagegen bisher aus den Gründungsmitgliedern des Gymnasiums Alsdorf. Als weiteres Mitglied wird das Gymnasium in Neuhaus am Rennweg folgen. Zum Netzwerktreffen in Bad Langensalza stellte die Daltonvereinigung Deutschland ihr Zertifizierungsverfahren vor. Von diesem Qualitätsnachweis und der Mitgliedschaft könnten auch die Thüringer Daltonplanschulen profitieren, denn nach der Unterstützung bei der Selbstevaluation und dem Schulbesuch werden Beratungsgespräche geführt und durch ein Gutachten Hinweise für die weitere Arbeit gegeben. Dass es in Thüringen bereits mehrere Schulen mit sehr guter Daltonplanarbeit gibt, ist auch Christine Schrön vom Käthe-Kollwitz-Gymnasium in Lengenfeld/Stein zu verdanken. Sie ist Deutschlandkoordinatorin von Dalton International und begleitet unter anderem durch Beratungsgespräche sowie Fortbildungen auch die Schulen, welche sich in den Workshops vorstellten, bei ihrem individuellen Weg zum Daltonplan. Nach diesem Treffen in Bad Langensalza wird Sie auch die Arbeit der Daltonvereinigung Deutschland als aktives Mitglied unterstützen. Die Serviceagentur „Ganztägig Lernen“ möchte weiterhin das Wissen sowie die Erfahrungen von Expertinnen, Experten und der Thüringer Daltonplanschulen im Netzwerk zusammenführen und fördern sowie Ganztagsschulen Zugänge zum Daltonplan eröffnen. Das Netzwerktreffen der Thüringer Daltonplanschulen zur Daltonplankonferenz in Bad Langensalza war ein Neubeginn und ein wichtiger Meilenstein bei der weiteren Qualitätsentwicklung in Thüringer Schulen mit Daltonplanarbeit. „Schule fair ändern“ könnte auch ein Titel für Hellen Parkhursts Anliegen und Wirken sein.
 
Ray Wille